BTZ Osnabrück

Bereich

Heraus­forderungen

Auch im Jahr 2024 war eine wesentliche Herausforderung, der sich das BTZ stellen musste, die bestmögliche Sicherstellung der Lehrgangskontinuität trotz der Beeinträchtigungen, die sich durch den Fortschritt an den beiden Baumaßnahmen ergeben haben. So wurden im Jahr 2024 mehrere Ersatzwerkstätten aufgebaut bzw. genutzt und die Lehrgangsplanung wurde kontinuierlich an den Baufortschritt angepasst.

Darüber hinaus wurde intensiv an der inhaltlichen Anpassung der überbetrieblichen Ausbildung an neue Anforderungen in verschiedenen Gewerken gearbeitet. Neben der theoretischen Neukonzeption der Lehrgänge umfasste dies unter anderem den Aufbau einer neuen Werkstatt im SHK-Bereich, einschließlich der Planung und Beschaffung der entsprechenden Ausstattung, die auch im Jahr 2025 noch andauern wird.

Chancen

Durch die sehr erfolgreiche Projektakquise im Jahr 2024 hat das BTZ die Möglichkeit sich bis Ende 2027 ganzheitlich für die Fachkräftesicherung einzusetzen. Angefangen von der Berufsorientierung, über Grundqualifizierungen im Handwerk, bis hin zu neuen Lehrgängen der Stufe DQR 5. Hieraus könnte sich auch langfristig die Möglichkeit ergeben, sich insbesondere im Feld der Berufsorientierung am Markt zu etablieren und damit ein neues Geschäftsfeld zu sichern, dass den Wegfall der Maßnahmen im Bereich des SGB II/III kompensiert.

Weiterhin gilt, dass mit den derzeitigen Neubau- und Modernisierungsmaßnahen erheblichen Investitionen in eine digitale und modernere Ausstattung des BTZ fließen. Hierin liegen Chancen wie der Ausbau der Meisterschule, neuer Angebote im Bereich der Landmaschinenmechatronik, oder auch die Intensivierung verschiedener Kooperationen mit regionalen und überregionalen Unternehmen im Bereich der Fort- und Weiterbildung.

Über­betriebliche Ausbildung (ÜBA)

Im Jahr 2024 verzeichnete die überbetriebliche Ausbildung im Handwerk insgesamt 303.783 Teilnehmerunterrichtsstunden. Dies stellt im Vergleich zum Vorjahr einen Rückgang von etwa 5 % dar. Diese Entwicklung ist auf zwei Hauptfaktoren zurückzuführen: Einerseits auf eine verstärkte Auslastung durch Meistervorbereitungslehrgänge im Kfz-Handwerk, andererseits auf ungeplante Ausfälle infolge der energetischen Sanierung des Gebäudes E.

Positiv hervorzuheben ist, dass es der Handwerkskammer erfolgreich gelungen ist, den Standort der Ausbildungswerkstatt für Augenoptiker zu sichern. Zudem wurde in die Erweiterung der Werkstatt investiert, was die Qualität und Kapazität der Ausbildung in diesem Bereich weiter steigert.

Die betriebsbegleitende Ausbildung, als anerkannter dritter Lernort neben der Ausbildung im Betrieb und der Berufsschule, bleibt ein unverzichtbarer Eckpfeiler für die Zukunftsfähigkeit des Handwerks. Trotz des Rückgangs im Stundenkontingent bleibt sie weiterhin von entscheidender Bedeutung. Besonders erfreulich ist, dass sie aufgrund ihrer Aktualität und Relevanz nach wie vor auf breite Akzeptanz bei den Betrieben stößt.

Die Zukunft der betriebsbegleitenden Ausbildung liegt in der kontinuierlichen Anpassung an sich verändernde Arbeitsweisen, Technologien und Anforderungen. Wir sind entschlossen, die Qualität und Relevanz unserer Ausbildungsangebote stets weiterzuentwickeln, um sicherzustellen, dass die Auszubildenden optimal auf ihre zukünftigen beruflichen Herausforderungen vorbereitet werden.

Fort- und Weiter­bildung

Technische und politische Anforderungen fordern von Handwerksbetrieben kontinuierlich innovative Lösungen und Anpassungen. Diese Entwicklungen betreffen nicht nur das Handwerk an sich, sondern erfordern ebenso ein starkes Management in KMUs und eine leistungsfähige Personalwirtschaft. Vor diesem Hintergrund sind Fortschritte im Bereich der Weiterbildungsangebote für das Handwerk besonders wichtig, um die Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.

Im Jahr 2024 verzeichnete der Fachbereich „Fort- und Weiterbildung & Meistervorbereitung“ insgesamt 328.328 Teilnehmerunterrichtsstunden. Dies entspricht einem leichten Rückgang von -0,897 % im Vergleich zum Vorjahr. Der Rückgang ist ausschließlich auf die laufenden Sanierungsmaßnahmen an unseren Schulungsgebäuden zurückzuführen. Aufgrund dieser Baumaßnahmen konnte ein ausgebuchter Zimmerer-Meisterkurs nicht stattfinden. Diese temporäre Einschränkung war im Rahmen der Gebäudeerneuerung unvermeidbar. Ohne diesen Kursausfall hätte sich im Jahr 2024 eine Steigerung der Teilnehmerunterrichtsstunden im Vergleich zum Vorjahr ergeben. Dies unterstreicht die weiterhin hohe Nachfrage nach unseren Bildungsangeboten und bestätigt die stabile Entwicklung unseres Fachbereichs.

Im Rahmen unserer kontinuierlichen Qualitätsverbesserung (sowie der Novellierung der Meisterprüfungsverordnung Elektrotechnik) wurden die Curricula der Meisterschulen in den Gewerken "Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (SHK)" sowie "Elektrotechnik" umfassend überprüft und angepasst. Die Umsetzung erfolgt ab 2025. Ziel dieser Maßnahmen ist es, unsere Kursprogramme an die aktuellen Anforderungen der Berufspraxis und die Erwartungen unserer Teilnehmenden noch stärker auszurichten. Hierbei haben wir besonderes Augenmerk auf die Integration neuer Technologien, rechtlicher Anforderungen und praxisrelevanter Inhalte gelegt, um eine nachhaltige Fachkräftesicherung zu fördern und die Wettbewerbsfähigkeit unserer Absolventen zu steigern. Die Überarbeitung wurde in enger Abstimmung mit Experten und Dozierenden vorgenommen, um eine fundierte und anwendungsorientierte Ausbildung zu gewährleisten. Wir erwarten, dass diese Optimierungen nicht nur die Attraktivität unserer Weiterbildungskurse erhöhen, sondern auch die Zufriedenheit und den Lernerfolg der Teilnehmenden positiv beeinflussen.

Abschluss­veran­staltung Kompetenzzentrum für Steuerungs-, Regelungs- und Mess­technik in Land- und Bau­maschinen

Das Projekt „Kompetenzzentrum für Steuerungs-, Regelungs- und Messtechnik in Land- und Baumaschinen“ wurde nach vier Jahren intensiver Entwicklungsarbeit erfolgreich abgeschlossen. Die zweitägige Abschlussveranstaltung bot den knapp 60 teilnehmenden Gästen Einblicke in die Zukunft der Ausbildung in der Land- und Baumaschinenmechatronik. In Fachvorträgen, interaktiven Workshops und persönlichen Gesprächen wurden zentrale Projektergebnisse und neue Konzepte vorgestellt.

Das Kompetenzzentrum ist deutschlandweit einmalig in seinem Fachgebiet und trägt zur Stärkung des Berufsbildungs- und TechnologieZentrums (BTZ) Osnabrück bei. Handwerkskammer-Präsident Andreas Nünemann betonte die Bedeutung des Projekts für die berufliche Bildung: „Wie ein Leuchtturm weist dieses Kompetenzzentrum den Weg für innovative Ausbildungskonzepte.“ Dank der Projektarbeit wurden neue Schulungsmodelle für Elektronik und Hydraulik entwickelt, Fortbildungen und Veranstaltungen realisiert sowie die überbetriebliche Ausbildung digitalisiert.

Am ersten Veranstaltungstag konnten die Gäste in der neuen Werkstatt des BTZ Osnabrück in vier interaktiven Workshops erleben, wie sich die Ausbildung durch das Projekt verändert hat. Im Fokus standen Schulungsmodelle für Hydraulikschaltungen und deren elektronische Regelung, Hochvoltschulungen sowie praxisnahes Lernen am Kundenauftrag. Der zweite Veranstaltungstag fand in der Aula der Handwerkskammer statt und beinhaltete Ansprachen, einen Rückblick auf die Projektlaufzeit sowie weitere Workshops zu den Themen Personalqualifizierung, Projektentwicklung und digitale Lösungen für die überbetriebliche Ausbildung.

Neben Handwerkskammer-Präsident Nünemann würdigte auch der niedersächsische Staatssekretär des Kultusministeriums, Marco Hartrich, die Bedeutung des Projekts für die Region: „Die Bildungszentren leisten einen wertvollen Beitrag zur Qualifizierung von Fachkräften.“ Auch Stephanie Brauser-Jung vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) hob die Relevanz moderner Ausbildungszentren hervor: „Kompetenzzentren wie dieses verdeutlichen den Stellenwert der dualen Ausbildung.“

Das Projekt wurde durch das BMBF und das Land Niedersachsen gefördert und wurde mit Jahresende abgeschlossen. Als nachhaltiges Ergebnis werden die entwickelten Konzepte und Schulungsmodelle weiterhin für die Ausbildung genutzt und über entsprechende Plattformen verfügbar gemacht.

Projekt „Held:innen der Energie­wende” gestartet

Das Projekt „Held:innen der Energiewende” (HeldInEn) ist offiziell gestartet und markiert einen wichtigen Schritt zur Stärkung klimarelevanter Berufe in der Region Osnabrück. Die Auftaktveranstaltung in der Deutschen Stiftung Umwelt (DBU) bot Projektpartnern, Vertretern kommunaler Einrichtungen sowie Akteuren des Arbeitsmarktes die Gelegenheit, sich über die Ziele und Perspektiven des Projekts auszutauschen. Mit einer Förderung von fast drei Millionen Euro durch das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Innovationswettbewerbs InnoVET PLUS wird das Projekt bis Ende 2027 umgesetzt.

Ziel von „HeldInEn“ ist es, Fachkräfte für klimarelevante Berufe langfristig zu gewinnen, zu qualifizieren und in der Region Osnabrück zu halten. Die Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim setzt dabei auf innovative Konzepte zur Berufsorientierung, die den Zugang zu diesen Berufen erleichtern und neue Karriereperspektiven eröffnen. Handwerkskammer-Präsident Andreas Nünemann betonte die Bedeutung des Projekts: "Mit diesem Vorhaben nehmen wir eine zentrale Rolle in der Gestaltung der Klimawende ein und schaffen zukunftssichere Arbeitsplätze."

Das Projekt entwickelt gezielte Maßnahmen zur Qualifizierung und Fortbildung. Jugendliche ohne Anschlussoptionen nach der Schule sowie Quereinsteigende erhalten durch kompakte fachpraktische Schulungsangebote die Möglichkeit, sich für klimaschutzrelevante Tätigkeiten zu qualifizieren. Gleichzeitig werden bestehende Fortbildungsangebote an die regionalen Bedarfe angepasst, um individuelle Karrierewege zu ermöglichen. "Die umfassende Herangehensweise des Projekts ist richtungsweisend und stärkt die Klimaschutzgewerke nachhaltig", unterstrich Sven Ruschhaupt, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim.

Ein wesentliches Merkmal von „HeldInEn“ ist die enge Vernetzung mit regionalen Akteuren. Schulen, Betriebe, Behörden und Verbände werden aktiv in die Planung und Umsetzung einbezogen, um praxisnahe und bedarfsgerechte Qualifizierungsmaßnahmen zu entwickeln. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen zudem auf andere Regionen übertragbar gemacht werden. Aktuell läuft die Personalakquise für das Projekt, für das sieben Vollzeitstellen vorgesehen sind.

Durch seine enge regionale Ausrichtung und innovative Konzepte zur Fachkräftesicherung leistet „HeldInEn“ einen entscheidenden Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Region Osnabrück. Das Projekt zeigt, wie durch gezielte Kooperation zwischen Bildungsträgern und Wirtschaft langfristige Lösungen für den Fachkräftemangel geschaffen werden können.

Energie Booster

Das Projekt „Energie Booster" förderte im Jahr 2024 die Qualifikation von Fachkräften in der Grenzregion Deutschland-Niederlande, um die Energiewende mit gezielten Bildungsmaßnahmen zu unterstützen. In Zusammenarbeit mit dem BTZ Osnabrück und dem HBZ Münster sowie den niederländischen Partnern ROC van Twente und Saxion Hogeschool Enschede wurden neue Fort- und Weiterbildungsangebote entwickelt.

Im Fokus stand die Entwicklung neuer Lehrgänge zu zentralen Themen der Energiewende. Inhalte zu Kundenberatung, grünem Wasserstoff, Energiespeicherung, Smart Home und Sektorkopplung und Kraft-Wärme-Kopplung wurden konzipiert. Die Erprobung dieser Schulungsangebote ist für das Jahr 2025 vorgesehen, um praxisnahe Qualifikationsmaßnahmen für Fachkräfte der Elektro- und SHK-Gewerke bereitzustellen.

Ein weiterer Schwerpunkt waren Exkursionen zu innovativen Energieprojekten. Eine Gruppe besuchte die Wasserstoff-H2-Pilotanlage in Lingen, um praxisnahe Einblicke in die Nutzung von grünem Wasserstoff zu erhalten. Eine weitere Exkursion führte zu Emsflower in Emsbüren, wo die nachhaltige Energieversorgung der Gewächshäuser und Gebäudekomplexe durch erneuerbare Quellen wie Biomasse im Mittelpunkt stand.

Zudem wurden Maßnahmen zur Informationsvermittlung und Vernetzung ausgebaut. Das Projekt „Energie Booster“ stellte Veröffentlichungen, digitale Informationsplattformen, Fachberatungen sowie Fachtagungen bereit, um Wissen über neue Energietechnologien einer breiten Fachöffentlichkeit zugänglich zu machen.

Durch diese Initiativen trug das Projekt 2024 maßgeblich zur Qualifizierung von Fachkräften bei und stärkte die grenzüberschreitende Zusammenarbeit in der Energiebranche. Die enge Verbindung von Theorie und Praxis soll langfristig zur erfolgreichen Umsetzung der Energiewende beitragen.

Maßnahmen der aktiven Arbeits­förderung

Die Maßnahmen „Berufsausbildung in außerbetrieblichen Einrichtungen (BaE)“ und die Ausbildung für Menschen mit Förderbedarf (ReHa) konnten im Jahr 2024 mit gleichbleibend geringer Teilnehmendenzahl weitergeführt werden. Ein Bedarf nach Umschulungen besteht nach Rücksprache mit den Fördermittelgebern derzeit nicht; die entsprechenden Rezertifizierungen der Maßnahmen wurden daher nicht in Auftrag gegeben. Mit Ende 2024 bestehen Maßnahmezertifizierungen nur noch im Bereich der Schweißtechnischen Lehranstalt.

Ende des Jahres 2024 durchlief das BTZ erneut erfolgreich die Zertifizierung nach AZAV und die Reauditierung nach ISO 9001-2015.

Schweiß­technische Lehranstalt

Nach wie vor gibt es einen hohen Bedarf für die Ausbildung und Prüfung von Schweißern. Im Jahr 2024 wurden im Kammerbezirk 1102 Schweißer-Prüfungen nach DIN EN ISO 9606 durch die Prüfstelle der Schweißtechnischen Lehranstalt abgenommen. Das sind ca. 3 % weniger als im vergangenen Jahr. Die Zahl der Teilnehmerunterrichtsstunden im Schweißen am BTZ Osnabrück ist dagegen von 18.992 in 2023 um ca. 30 % auf 24.650 in 2024 gestiegen. Ausschlaggebend ist neben dem in Osnabrück durchgeführten Schweißfachmann-Lehrgang ein deutlicher Anstieg der Teilnehmerunterrichtsstunden in den Einzelmaßnahmen für Erwachsene: Allein die Zahl der Teilnehmenden der AZAV-Maßnahmen ist um gut 50 % gestiegen.

Der Lehrgang zum Internationalen Schweißfachmann wurde im Jahr 2024 in Osnabrück mit 18 Teilnehmenden durchgeführt, die alle den Lehrgang erfolgreich abgeschlossen haben. Der Internationale Schweißfachmann-Lehrgang in hybrider Form in Kooperation mit den Berufsbildungsstätten BTZ Papenburg, Handwerkskammer für Ostfriesland und Handwerkskammer Oldenburg wurde zum zweiten Mal mit 18 Teilnehmenden durchgeführt.