Betriebs­beratung und Struktur­förderung

Bereich

Gut beraten!

Die Betriebs­beratung der Handwerks­kammer 2024

Die betriebswirtschaftliche Beratung der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim hat auch im Jahr 2024 einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung und Zukunftssicherung des regionalen Handwerks geleistet. Besonders im Fokus standen die Existenzgründungsberatung, die Unterstützung bei der Unternehmensnachfolge sowie Beratungen zur Personal- und Organisationsentwicklung.

„Die Sicherung und Weiterentwicklung unserer Handwerksbetriebe ist für die Region von entscheidender Bedeutung. Mit unseren vielfältigen Beratungs- und Weiterbildungsangeboten unterstützen wir Betriebe aktiv dabei, sich zukunftsfähig aufzustellen – sei es durch eine erfolgreiche Nachfolgeregelung, die Optimierung der Arbeitgeberattraktivität oder den Einsatz neuer Technologien“, betont Peter Beckmann, Geschäftsführer Betriebsberatung und Strukturförderung der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim.

Ein besonders wichtiger Schwerpunkt war erneut die Beratung zur Unternehmensnachfolge. Durch gezielte Veranstaltungen, Best-Practice-Beispiele und Presseinformationen konnten zahlreiche Betriebsinhaberinnen und Betriebsinhaber für dieses zentrale Thema sensibilisiert werden. Ergänzend dazu wurde das Projekt „Nachfolgermoderator*in“ des Landes Niedersachsen weiter vorangetrieben, das Übergabebetriebe mit potenziellen Nachfolgerinnen und Nachfolgern zusammenbringt.

Auch die Fachkräftesicherung rückte weiter in den Fokus. Das 2023 gestartete Coaching-Programm „Arbeitgeberattraktivität im Handwerk“ fand großen Anklang: Über 65 Betriebe nahmen bis Ende 2024 teil. Aufgrund des Erfolgs ist eine Fortsetzung über die Projektlaufzeit hinaus geplant.

Mit Blick auf die Zukunft wird die Beratung der Handwerkskammer weiterhin auf drängende Herausforderungen reagieren. Die steigende Nachfrage nach betrieblicher Restrukturierungsberatung, die wachsende Bedeutung von Künstlicher Intelligenz im Handwerk und der anhaltende Fachkräftemangel sind Themen, die 2025 und darüber hinaus im Mittelpunkt stehen werden.

Ein weiteres innovatives Vorhaben ist das neue Projekt „RoboCraft“, das Anfang 2025 starten soll. Ziel ist es, ein Beratungs- und Informationsangebot zur Automatisierung in Handwerksbetrieben zu etablieren – mit Fokus auf Robotik, Cobots und Exoskelette. Die Förderung erfolgt über das Programm „Zukunftsregionen“ des Landes Niedersachsen. „Unsere Betriebe stehen vor großen Veränderungen, aber auch vor spannenden Chancen. Mit gezielten Beratungen und Projekten möchten wir ihnen helfen, diese Herausforderungen erfolgreich zu meistern und ihre Wettbewerbsfähigkeit nachhaltig zu stärken“, fasst Peter Beckmann zusammen.

Erfolgreiche Umsetzung des Projekts „Arbeitgeber­attraktivität im Handwerk“ – Fortführung in 2025 geplant

Nach über zwei Jahren Laufzeit befindet sich das Projekt „Arbeitgeberattraktivität im Handwerk“ in einer erfolgreichen Umsetzungsphase. Seit dem Start des Programms wurden sechs Durchläufe für Handwerksbetriebe im Kammerbezirk durchgeführt, an denen bisher insgesamt 65 Betriebe aus 18 verschiedenen Gewerken teilgenommen haben. Die Betriebe, die sich aktiv an dem Programm beteiligen, reichen von kleinen Unternehmen mit fünf Beschäftigten bis hin zu größeren Betrieben mit über 250 Mitarbeitenden.

Ein Durchlauf des Programms erstreckt sich in der Regel über sechs Monate und umfasst eine einzelbetriebliche Ist-Analyse („AttraktivCheck“), fünf thematische Module sowie einen abschließenden Strategieworkshop. Die behandelten Module decken zentrale Themen zur Stärkung der Arbeitgeberattraktivität ab, darunter:
• Die Arbeitgebermarke
• Mitarbeiterführung und Mitarbeiterentwicklung
• Arbeitsplatzgestaltung und Arbeitsorganisation
• Monetäre Anreize und Zusatzleistungen
• Markenkommunikation

Im Strategieworkshop entwickeln die teilnehmenden Betriebe individuelle „Roadmaps“, um konkrete Maßnahmen zur Steigerung ihrer Arbeitgeberattraktivität umzusetzen.

„Die durchweg positive Resonanz der Betriebe zeigt, dass das Thema Arbeitgeberattraktivität eine hohe Relevanz im Handwerk hat. Die geringe Abbrecherquote und die stetig hohe Nachfrage bestätigen den Erfolg unseres Programms“, erklärt Projektleiterin Annika Hörnschemeyer.

Neben dem Hauptprogramm konnten zudem weitere Initiativen erfolgreich umgesetzt werden. Besonders hervorzuheben ist die Organisation eines Fachkräftetags in Kooperation mit regionalen Arbeitsmarktakteuren, der auf große Resonanz gestoßen ist. Eine Neuauflage dieses Formats ist für 2025 bereits in Planung. Darüber hinaus wurde eine Podcast-Reihe entwickelt, die die einzelnen Modulthemen vertieft und als nachhaltige Wissensressource dient.

Die aktuelle Programmförderung läuft zwar im September 2025 aus, jedoch ist bereits jetzt eine Fortführung des Projekts geplant. Damit wird das erfolgreiche Konzept auch in Zukunft Handwerksbetriebe dabei unterstützen, sich als attraktive Arbeitgeber zu positionieren und dem Fachkräftemangel aktiv entgegenzuwirken.

Nord­konferenz in Osnabrück

Stärkung des Unternehmer­tums gefordert!

Die Spitzenvertretungen der Handwerkskammern der Nordkonferenz haben sich intensiv mit den Rahmenbedingungen für Unternehmerinnen und Unternehmer – und damit auch für ihre Mitarbeitenden – im Handwerk befasst. Die zweitägige Tagung fand am 11.–12. November in der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim unter der Sitzungsleitung des Vorsitzenden Präsidenten der Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen, Eckhard Stein, statt.

Mangelnde gesellschaftliche Wahrnehmung für die Bedeutung von unternehmerischem Engagement und schwierige Rahmenbedingungen hemmen verstärkt die Bereitschaft zur Übernahme eines bestehenden oder zur Gründung eines neuen Betriebes. Bis 2030 stehen allein bundesweit bis zu 125.000 Übergaben an. Gleichzeitig führen die Herausforderungen der Energie- und Klimawende, die hohen Infrastrukturdefizite und die Grundversorgung vor allem in den ländlichen Räumen zu einem wachsenden Bedarf an handwerklichen Leistungen.

Die allgemeine Unsicherheit wurde nun gemäß den Stimmen der norddeutschen Handwerkskammern durch das Scheitern der Ampel in Berlin spürbar verschärft. Von zentraler Bedeutung ist es aus ihrer Sicht, dass auf Bundesebene eine neue Regierung schnell Verlässlichkeit herstellt, Entlastungs- und Wachstumsmaßnahmen auf den Weg bringt und damit die unternehmerische Wettbewerbsfähigkeit für alle Unternehmen in Deutschland wieder stärkt.

Die sehr unterschiedlichen Blickwinkel wurden vertieft betrachtet in einem hochkarätigen Austausch mit dem Wirtschaftsminister des Landes Niedersachsen, Olaf Lies, dem Direktor des Volkswirtschaftlichen Instituts für Mittelstand und Handwerk, Prof. Dr. Kilian Bizer, den Nachfolgeexperten der Handwerkskammer in Osnabrück, Peter Beckmann und Dirk Lebeda, dem Tischlerunternehmen TEAM PLAN, dem Baugeschäft Clemens Glandorf GbR, sowie dem RAS Team GmbH für Orthopädietechnik.

Daneben standen die kreditwirtschaftlichen und steuerrechtlichen Anforderungen im betrieblichen Gründungs- und Übernahmeprozess, vorgetragen von Fabian Bertram, Steuerexperte vom Spitzenverband ZDH, und dem Vorstandsmitglied der örtlichen Volksbank, Beate Jakobs im besonderen Fokus der Nordkonferenz.

Zudem wurden Verbesserungen der Rahmenbedingungen für die Selbstständigkeit von Frauen im Handwerk mit der Vorsitzenden des gemeinnützigen Vereins Mutterschutz für alle e.V., Johanna Röh, diskutiert.

Fazit: Die 17 Handwerkskammern im Verbund der Nordkonferenz plädieren für eine grundsätzliche Verbesserung der unternehmerischen Rahmenbedingungen und richten ihren Blick besonders auch auf ihre norddeutschen Länderregierungen. Ihre Handlungsmöglichkeiten wurden in 7 Punkten in einem gesonderten Papier zusammengefasst und dabei auch gute Beispielmaßnahmen aus einzelnen Bundesländern dargestellt.

Hintergrund: Die Nordkonferenz repräsentiert den Verbund von 17 Handwerkskammern der Bundesländer Berlin, Brandenburg, Bremen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt (Handwerkskammer Magdeburg) sowie Schleswig-Holstein. Sie vertritt ca. 240.000 Betriebe und knapp 1,32 Mio. Beschäftigte, die einen Umsatz von fast 161 Mrd. Euro erwirtschaften. Die Geschäftsstelle der Nordkonferenz ist bei der Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen angesiedelt.

Erfolgsstory Führungswerkstatt

Die Führungswerkstatt ist eine Erfolgsstory – Inzwischen haben knapp 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Führungswerkstatt bei der Handwerkskammer absolviert. Die Führungswerkstatt richtet sich an die zweite Führungsebene in einem Handwerksbetrieb und hat das Ziel, dass sich die Teilnehmer ihrer Rolle als Führungskraft bewusstwerden und welche Aufgaben damit eigentlich für einen selbst verbunden sind. Die Teilnehmer absolvieren sieben Module, die ihnen die Möglichkeit bieten, eigene Führungs- und Kommunikationskompetenzen weiterzuentwickeln und auch das eigene Verhaltensrepertoire zu erweitern. Oftmals stehen die Führungskräfte vor ungewohnten oder herausfordernden Situationen im betrieblichen Alltag, die gemeistert werden wollen. Die sich so entwickelnden Kompetenzen werden verstärkt in den Betriebsalltag integriert und durch eine begleitende Beratung der HWK zielgerichtet unterstützt.

Und auch das ist wichtig bei der Führungswerkstatt: Es sind auch Zweifel an der eigenen Entwicklung von den Teilnehmern benannt worden und die sind ebenso wichtig. Vor allem zu Beginn der Führungswerkstatt ist vielen Teilnehmern unklar was Führung eigentlich genau bedeutet und welche Aufgaben eine Führungskraft im Handwerk konkret hat? Diese Fragen und Zweifel wurden von dem Trainer und Berater Christof Hahn – „Change-it-easy“ – sowie dem Führungskräfte-Trainer und Betriebsberater der Handwerkskammer Alexander Strehl aktiv aufgenommen und bei den Schulungstagen sowie bei den Beratungen der Teilnehmer vor Ort im Betrieb durch die Handwerkskammer intensiv und individuell behandelt. So konnten und sollen die Teilnehmer ihre persönliche Entwicklung selbst steuern, sich ausprobieren und erste Erfolgserlebnisse erreichen.

Am Ende zeigten sich alle Teilnehmer mit dem Erreichten mehr als zufrieden. „Der Sinn und die Aufgaben von uns als Führungskräfte in einem Handwerksbetrieb wurden von Modul zu Modul für uns selbst und innerhalb der Gruppe klarer und greifbarer“, stellte die Gruppe der aktuellen Absolventen der Führungswerkstatt übereinstimmend fest. Dabei lebt die Führungswerkstatt insbesondere auch vom Austausch der Teilnehmer untereinander, den diese als hilfreich und unterstützend wahrnehmen. Genau wie man im Handwerksbetrieb oftmals im „TEAM“ arbeitet, hat sich die Gruppe auch gegenseitig im „Teamplay“ bei den eigenen Entwicklungsschritten unterstützt.

Natürlich wird die Führungswerkstatt auch im Jahr 2025 fortgeführt und für die nächste Gruppe sind aktuell noch einige Plätze frei. Bei Fragen oder dem Wunsch nach einer persönlichen Beratung zur Führungswerkstatt steht Ihnen der Betriebsberater Alexander Strehl zur Verfügung. Die Modalitäten für die Anmeldung, Kosten pro Teilnehmer und die weiteren Termine können Sie folgendem Link entnehmen:  https://www.btz-osnabrueck.de/seminar/fuehrungswerkstatt-a/.

Von Nach­haltigkeit überzeugt!

Tischlerei Stevens ausgezeichnet

Als kleine Tischlerei Nachhaltigkeit leben und umsetzen - Tischlerei Stevens GmbH aus Rhede ist gutes Beispiel. Im Rahmen der Nds. Allianz für mehr Nachhaltigkeit, die zum Ziel hat, dass der Nachweis der bisherigen Leistungen des Betriebes im Bereich Nachhaltigkeit entsprechend gekennzeichnet werden und nach außen sichtbar gemacht werden, wurde der Betrieb ausgezeichnet. Sichtlich erfreut und mit Stolz nahmen das Unternehmerehepaar Anna und Hans Stevens die Urkunde von Alexander Strehl, Nachhaltigkeitsberater der Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim persönlich entgegen.

Seit 2010 hat sich der Betrieb dem Upcycling verschrieben. D.h., das altem, lange gelagerten und ausgedientem Holz ein neuer Verwendungszyklus – in Form eines neuen Produkts– verschafft wird.

„Es ist für uns eine Selbstverständlichkeit und seit ganz vielen Jahren gelebte Praxis mit dem Material und allen anderen betrieblichen Ressourcen nachhaltig umzugehen“, so begründen Hans und Anna Stevens ihren Antrieb für mehr Nachhaltigkeit im Unternehmen. Auch die Größe des Betriebes mit sechs Mitarbeitern bietet genügend Ansatzpunkte, um das Team und die Auszubildenden im Betrieb in diesem Zukunftsthema aktiv mitzunehmen. So werden beispielweise der innerbetriebliche Austausch, die fachliche Weiterbildung und Ausbildung sowie die Wissensweitergabe im Betrieb intensiv gefördert.

Zudem hat der Betrieb in Eigenregie sogenannte „WPC-Produkte“ (Holz-Plastik Kombination, z.B. für größere Pflanzenkübel) entwickelt und vermarktet diese erfolgreich, Diese Produkte zeichnen sich durch eine hohe Langlebigkeit und Witterungsbeständigkeit aus. Zudem können die Komponenten getrennt entsorgt werden und wieder dem Wertstoffkreislauf zugeführt werden. Neben vielen weiteren Maßnahmen sind dies Punkte, die das Engagement der Tischlerei Stevens für Nachhaltigkeit zeigen und verdeutlichen, wie das Unternehmen Verantwortung übernimmt, um ökologische, soziale und wirtschaftliche Werte langfristig zu sichern. Mit diesen Schritten leistet die Tischlerei Stevens einen aktiven Beitrag für gelebte Nachhaltigkeit im Handwerk.

Basis der Beratung des Betriebes ist der Nachhaltigkeits-Check „Das Handwerk als Nachhaltigkeitsmotor“ der Niedersachsen Allianz für Nachhaltigkeit, die über die Landesvertretung der Handwerkskammern Niedersachsen (LHN) in Hannover betreut wird. Betrachtet werden dabei die Themen Klimaschutz, Ressourcenschutz, Regionalität, Soziales Zusammenleben, Ausbildung, Weiterbildung, Ökonomische Stabilität, Umgang mit Wissen und Wissensweitergabe sowie Innovationsfähigkeit. Für weitere Informationen zu dem Kennzeichnungsverfahren steht Ihnen die Betriebsberatung der Handwerkskammer zur Verfügung.

Gelungener Auftakt!

„Das Rennen um Mitarbeitende findet immer statt“ Unternehmen informieren sich beim ersten Fachkräftetag im Kreishaus.

Mit neuen Ideen als Arbeitgeber attraktiver werden, Auszubildende aus dem Ausland gewinnen oder mit anderen Unternehmen kooperieren und zielgerichtete Unterstützung von Fachstellen nutzen: Es gibt viele Wege für ein Unternehmen, um dem anhaltenden Fachkräftemangel zu begegnen. Welche Angebote es für Betriebe konkret gibt, zeigte jetzt der erste gemeinsame Fachkräftetag im Kreishaus auf.

Rund 150 Vertreterinnen und Vertreter aus Unternehmen und Institutionen nutzten die Chance, bei Vorträgen Impulse zur Fachkräftegewinnung und -bindung zu erhalten und auf dem „Markt der Möglichkeiten“ mit anderen Teilnehmenden ins Gespräch zu kommen. Den Fachkräftetag haben die Handwerkskammer Osnabrück-Emsland-Grafschaft Bentheim, die Wirtschaftsförderungen von Stadt und Landkreis Osnabrück, die Agentur für Arbeit, Transformationshub Osnabrück und das Welcome & Connect Center Osnabrück gemeinsam gestaltet.

„Es gibt so viele Beispiele, die Mut machen, den Herausforderungen zu begegnen. Wenn wir gemeinsam dem wichtigen Thema Fachkräftemangel näherkommen, dann ist die Herausforderung gar nicht mehr so groß wie vorher gedacht“, betonte Sandra Schürmann, Leiterin des Fachkräftebüros der WIGOS Wirtschaftsförderungsgesellschaft Osnabrücker Land, und bedankte sich bei den beteiligten Partnern für das große Engagement. Moderiert wurde die Veranstaltung von Jan Willand von Connect People & Company.

Wie wichtig die Attraktivität des Arbeitgebers ist, machte der Referent Joe Sethi den Anwesenden in seinem Impulsvortrag deutlich. Der Recruiting-Experte gab den Unternehmen den eindringlichen Rat, nicht erst zu reagieren, wenn die Fachkräfte weg sind, sondern permanent im Prozess zu bleiben. „Das Rennen um Mitarbeitende findet immer statt. Unternehmen müssen da präsent sein, wo ihre Fachkräfte von morgen sind, und sie richtig informieren.“ Seid ihr als Unternehmen charismatisch und spannend? Was ist das Argument, weshalb eine Fachkraft zu euch wechseln sollte? Wo sehen Bewerberinnen und Bewerber das Team und wo bekommen sie einen realistischen Eindruck vom Arbeitsalltag? Mit Fragen wie diesen konfrontierte der Speaker das Publikum. „Erfolgreiches Recruiting erfordert eine klare Markenwahrnehmung und eine starke Unternehmenspräsenz, vor allem in den sozialen Medien. Junge Fachkräfte sind mit dem Handy in der Hand aufgewachsen. Wer als Unternehmen digital nicht da ist, existiert für diese Generation nicht“, unterstrich Joe Sethi.

Den Mut, auch mal andere Wege zu beschreiten, hatten die vier Personalexperten und Führungskräfte der Unternehmen, die Moderator Jan Willand und dem Publikum ihre „Geschichten des Gelingens“ erzählten: So berichtete Katrin Schwager, Personalleiterin bei der Bedford GmbH & Co. KG in Osnabrück, über das Angebot einer Weiterbildung zur Fachkraft für Lebensmitteltechnik, die das Unternehmen Mitarbeitenden erfolgreich in Zusammenarbeit mit der Bundesagentur für Arbeit anbot. Jörg Vogelsang, Geschäftsführer des Malerbetriebs Bernhard Vogelsang in Georgsmarienhütte, erläuterte seine positiven Erfahrungen mit dem Programm der Handwerkskammer „Attraktive Arbeitgeber“. In dem Zuge hat der Handwerksbetrieb auch seine Karriereseite der Firmenhomepage und seinen Auftritt auf Social Media-Plattformen erneuert. Zudem legt das Unternehmen Wert auf ein gutes Betriebsklima und gemeinsame Unternehmungen des Teams. Die Tischlerei Kull fand hingegen Auszubildende im Ausland durch die Unterstützung des Fachkräftebüros der WIGOS. Wie Julius Dohm berichtete, bildet der Betrieb aus Bad Laer derzeit einen jungen Mann aus China zum Tischler aus. Laura Bröcker, PCO GmbH & Co. KG in Osnabrück, berichtete, von der Erfahrung, welche Erwartungen potenzielle Bewerbende an das Unternehmen haben, sodass Bewerbende viel Wert auf eine gelebte Bürokultur legten. PCO ziehe Fachkräfte nicht nur mit einem modernen Bürogebäude an, sondern werbe aktiv mit den Menschen im Team und – als Mitglied von „typisch Osnabrück“ – mit den Stärken eines attraktiven Standorts.

Und welche Unterstützung können Fachstellen aus Stadt und Landkreis Osnabrück den Unternehmen bieten? Darauf wiesen die verschiedenen Partner, von der Bundesagentur für Arbeit über die Handwerkskammer bis zu den Wirtschaftsförderungen, hin, bevor sich die Vertreterinnen und Vertreter aus Unternehmen an den zahlreichen Ständen auf dem „Markt der Möglichkeiten“ eingehender informieren konnten. „Wir konnten so gemeinsam neue Kontakte knüpfen, zu den einzelnen Angeboten beraten und in vielen Fällen sogar schnell Hilfe leisten. Dieser Fachkräftetag war daher zwar der erste, aber sicher nicht der letzte“, zogen die Organisatorinnen und Organisatoren eine positive Bilanz.

Erfolg­reiche Nachfolge­moderation im Handwerk: Große Resonanz und nachhaltige Wirkung

Die Handwerkskammer setzt mit dem vom Land Niedersachsen geförderten Projekt „Nachfolgemoderation im Handwerk“ ein starkes Zeichen für die Zukunft des regionalen Handwerks. Das Ziel: Handwerksbetriebe in der entscheidenden Phase der Unternehmensnachfolge begleiten und nachhaltige Perspektiven schaffen.

Die Herausforderung ist groß, denn statistisch gesehen steht gut jeder dritte Handwerksbetrieb im Kammerbezirk in den kommenden Jahren vor einer Nachfolgeregelung. Viele dieser Betriebe haben bislang keine Nachfolgerin oder keinen Nachfolger gefunden.

„Mit gezielten Informationskampagnen, individuellen Beratungsangeboten und einer engen Begleitung der Betriebsübernahmen leistet die Nachfolgemoderation der Handwerkskammer wertvolle Unterstützung“, erklärt Nachfolgemoderator Dirk Lebeda. Die Nachfrage nach dem Angebot ist enorm: Seit dem Start des Projekts vor gut zwei Jahren wurden 57 Gründerinnen und Gründer beraten, die an einer Betriebsübernahme interessiert waren. In 46 Fällen konnten Betriebe erfolgreich mit potenziellen Übernehmenden zusammengebracht werden – daraus resultierten bereits vier abgeschlossene Übergaben. Aktuell befinden sich 34 weitere Übernahmen in einem konkreten Prozess, der durch die Handwerkskammer begleitet wird.

Ein zentraler Erfolgsfaktor des Projekts ist die intensive persönliche Beratung. „Unsere Erfahrung zeigt, dass direkte Gespräche entscheidend dafür sind, Unsicherheiten abzubauen und konkrete Perspektiven aufzuzeigen“, betont Projektleiter Dirk Lebeda. Besonders Themen wie Finanzierung, Fachkräftegewinnung und die emotionale Bindung der Altinhaber an ihr Lebenswerk stellen Herausforderungen dar. „Hier setzen wir mit individuell abgestimmten Unterstützungsangeboten an und helfen, die Übergabe für beide Seiten erfolgreich zu gestalten“, so Lebeda weiter.

Mit der Nachfolgemoderation im Handwerk leistet die Handwerkskammer einen wichtigen Beitrag zur Sicherung von Betrieben, Arbeitsplätzen und traditionellem Handwerkswissen – und sorgt für eine starke Zukunft des Handwerks in Niedersachsen.